Desinformation über die Robbentötung?

In der Luxemburger Tageszeitung “für Wahrheit und Recht” (d’Wort) stand in der Ausgabe vom 13. April 2006 auf Seite 18 ein Artikel mit der folgenden Überschrift:

Neufundlands “Sealer” erzählen ihre Version von der Robbentötung

Als Autor des Berichts gibt d’Wort Gerd Braune an, einen Kanada-Korrespondenten, über den ich nach kurzer Recherche im Internet herausgefunden habe, dass er u.a. für die Stuttgarter Zeitung schreibt.

Nach der Lektüre des d’Wort-Artikels stellte ich mir die Frage, wieso diese Zeitung einen derart einseitigen, ja fast schon tendenziösen Artikel abdruckt, der die Argumente der Robbenjäger in den Vordergrund stellt und um Verständnis für sie bittet. Da der Artikel jedoch nicht von einem hauseigenen Schreiber verfasst war, wollte ich mit Hilfe des Internets herausfinden, ob er nicht etwa gekürzt – und somit in eine der d’Wort-Redaktion genehme Fassung gebracht worden war.

Fündig wurde ich bei der bereits oben erwähnten Stuttgarter Zeitung (StZ, Ausgabe vom 5. April 2006, 3. Seite) wo man sich den Original-Beitrag für 50 €-Cent herunterladen kann. Bei der StZ lautet der Titel “Familienväter unter dem Verdacht der Barbarei”, was dem Bericht übrigens in Bezug auf den schließenden Satz Kohärenz verleiht, eine Eigenschaft die man dem Wort-Abdruck auf keinen Fall zuschreiben kann. So liest sich der Originaltext von Gerd Braune auch viel besser als die d’Wort-Version, die Frage die ich mir nach der Lektüre im d’Wort gestellt hatte wäre mir wohl kaum in den Sinn gekommen, wenn ich stattdessen die StZ gelesen hätte: der Bericht von Gerd Braune vereint nämlich die gegensätzlichen Standpunkte der Robbenjagdgegner und -befürworter in einem informativen Text, der es dem Leser überlässt sich seine eigene Meinung dazu zu bilden.

Im Gegensatz zu Gerd Braune scheint die d’Wort-Redaktion ihre Leser allerdings für unfähig zu halten sich eine eigene Meinung zu bilden, und schlägt ihnen deshalb sofort eine Richtung vor. Dass es sich hierbei um eine die Tierrechte verachtende Variante handelt, ist umso schlimmer, da auf der betreffenden Seite im d’Wort sehr wohl Platz gewesen wäre, den Integraltext abzudrucken – man hätte nur die beiden Fotos des Fischers weglassen müssen, da sie bloß dazu dienen dem im Bericht vorkommenden Fischer ein Gesicht zu verleihen. Der originalgetreue Abdruck des Textes von Gerd Braune hätte dem Leser außerdem immer noch die Möglichkeit gelassen Verständnis für die Robbenjäger aufzubringen. Aber Bilder sagen halt mehr als Worte, deshalb war vermutlich auch kein getötetes Robbenjunges abgebildet, sondern lediglich ein Fischer auf seinem Boot. Ein Foto des Mannes bei der Jagd hätte womöglich auch nicht gut zu der vom Text nahe gelegten Opfer-Rolle der Fischer gepasst.

Andererseits wirft sich die Frage auf, ob die d’Wort-Redaktion überhaupt beim Autor Gerd Braune bzw. bei der StZ um Erlaubnis nachgefragt hat, den Originaltext auf eine Art und Weise zu entstellen die der Desinformation doch ziemlich nahe kommt. Wie war das nochmal mit dem Slogan auf der ersten Seite des d’Wort…? – Ach ja, “Für Wahrheit und Recht” heißt es da.

Eine Antwort zu “Desinformation über die Robbentötung?”

  1. isabelle rasch sagt:

    ich finde robbentödung nur grausam.